IWF: Deutsche Wirtschaft stürzt brutal ab -

Tiefe Rezession global

 

22.04.2009

 

WASHINGTON/BERLIN (dpa-AFX) - Brutaler Wirtschaftsabsturz in Deutschland,
die Welt in tiefer Rezession: Der Internationale Währungsfonds IWF hat in seinem
jüngsten Weltwirtschaftsausblick ein rabenschwarzes Krisenbild gezeichnet.
Demnach schrumpft die deutsche Wirtschaft in diesem Jahr um katastrophale 5,6
Prozent, global rechnet der Fonds mit einem Minus von 1,3 Prozent - die mit
weitem Abstand schwerste Rezession seit dem Zweiten Weltkrieg. "Wir stecken in
der Mitte von etwas, das einer Depression sehr nahe kommt", betonte
IWF-Chefökonom Olivier Blanchard. 

    Weltweit sei 2010 aber wieder mit einem leichten Wachstum von 1,9 Prozent zu
rechnen, heißt es in der am Mittwoch in Washington vorgelegten IWF-Prognose.
Nicht so in Deutschland: Dort soll die Wirtschaft erneut schrumpfen, diesmal um
ein Prozent. 

'IWF-ZAHLEN NICHT UNPLAUSIBEL'

    "Die vom IWF vorgelegten Zahlen sind aus unserer Sicht nicht unplausibel",
sagte Finanzstaatssekretär Jörg Asmussen am Mittwoch in Berlin. Ein Grund für
die düstere Konjunkturprognose für Deutschland ist laut Asmussen die extrem hohe
Abhängigkeit der Bundesrepublik von der Weltwirtschaft. Hinzu komme die Struktur
der deutschen Exporte. 

    Der Weltwährungsfonds riet Deutschland derweil zu weiteren Schritten, um die
Konjunktur anzukurbeln. "Deutschland hat den Spielraum dazu und sollte es in
Erwägung ziehen", sagte IWF-Ökonom Jörg Decressin. Die Bundesrepublik habe in
guten Zeiten ihre Hausaufgaben gemacht und können nun in schlechten Zeiten davon
profitieren. Allerdings habe Deutschland bereits "erhebliche" Anstrengungen im
Kampf gegen die Krise unternommen. 

IRLAND STÜRZT NOCH STÄRKER AB ALS DEUTSCHLAND

    In der Eurozone stürzt in diesem Jahr laut IWF mit Minus acht Prozent nur
noch die irische Wirtschaft schwerer ab als die deutsche. Der Weltwährungsfonds
korrigierte in seinem Wirtschaftsausblick praktisch alle im Januar getroffenen
Länderprognosen erheblich nach unten, mit am deutlichsten dabei für Deutschland.


    In den USA als Ausgangspunkt der Krise erwartet der Fonds, dass die
Wirtschaft in diesem Jahr um 2,8 Prozent schrumpft und sich 2010 ein
Nullwachstum einstellt. Für die Eurozone prognostiziert der IWF 2009 ein Minus
von 4,2 Prozent, gefolgt von minus 0,4 Prozent 2010. 

    Auch die Entwicklungs- und Schwellenländer bekommen die Krise mit voller
Wucht zu spüren: Dort erwartet der Fonds in diesem Jahr nur noch ein Wachstum
von 1,6 Prozent. 2010 sollen diese Staaten aber schon wieder um 4 Prozent
zulegen. Das stärkste Wachstum erwartet der Fonds derweil im kommenden Jahr in
den asiatischen Schwellenländern (plus 6,1 Prozent), China (plus 7,5 Prozent)
und Indien (plus 5,6 Prozent). 

KONJUNKTURTALFAHRT VERLANGSAMT SICH

    Immerhin rechnet der IWF damit, dass sich die weltweite Konjunkturtalfahrt
in laufenden Quartal verlangsamt. Mit einem erwarteten weltweiten Wachstum von
1,9 Prozent im kommenden falle die Erholung der globalen Wirtschaft
voraussichtlich aber schwächer aus als nach früheren Abschwüngen. Grund sei die
Kombination von Finanzkrise und einem gleichzeitigen, globalen
Konjunktureinbruch. Aber schon diese Prognose sei "von großen Unsicherheiten
geprägt." Selbst wenn die Krise vorüber ist, erwarten die IWF-Experten eine
"schwierige Übergangsphase", in die Wirtschaftsleistung deutlich unter dem
bleibe, was Länder aus der Vergangenheit gewohnt waren. 

     Eine echte Kehrtwende wird sich laut Fonds erst einstellen, wenn der Kampf
gegen die Krise im Finanzsektor forciert und die Nachfrage stärker angekurbelt
werde. Den bisherigen Maßnahmen sei es bislang nicht gelungen, die
"zerstörerische Wechselwirkung" von Konjunkturabschwung und der Krise in der
Finanzwirtschaft zu unterbrechen, kritisiert der Fonds. Gehe die Politik die
grundlegenden Probleme nicht massiv genug an, drohe sich die Krise in die Länge
zu ziehen und noch teurer als bisher schon zu werden. 

IWF GEGEN PROTEKTIONSIMUS

    Der IWF warnte die Staatengemeinschaft überdies eindringlich, zu
protektionistischen Maßnahmen zu greifen. Die 30er Jahre hätten gezeigt, dass
dies "gewaltigen Schaden" zur Folge habe. 

    Oberste Priorität für die Politik muss laut Weltwährungsfonds die Neuordnung
des Finanzsektors haben. Überlebensfähige Banken sollten mit frischem Geld
ausgestattet werden, auch wenn dies eine vorübergehende Verstaatlichung bedeute.
Todgeweihte Geldinstitute sollten unterdessen schnell geschlossen oder mit
anderen Institutionen verschmolzen werden. An der geldpolitischen Front rät der
Fonds den Zentralbanken, jeden verfügbaren Raum für Zinssenkungen schnell zu
nutzen. In einer zunehmenden Zahl Fälle müssten Notenbanken ihre Bilanzen
ausweiten, also Geld drucken./fb/sl/DP/js

Quelle: http://www.boerse-frankfurt.de

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